· 

Warum wir täglich (mehrfach) abäppeln

Gut gewollt muss nicht gut gemacht sein. Das mussten wir am 01. Oktober dieses Jahres um 3 Uhr in der Früh schmerzlich feststellen. Unser San Heinrich GT x Christ Rappjährling - schwarz wie die Nacht ohne Abzeichen mit toller raumgreifender Bewegung - musst von seinen Kolikschmerzen erlöst werden. Detomidin, Butorphanol und zahlreiche andere Schmerzmittel konnten die Schmerzen resultierend aus seinen massivem Spulwurmbefall im Dünndarm nicht lindern. Eine Laparatomie mit Eröffnung des Dünndarms erschien den Tierärzten in einer der renommiertesten Pferdekliniken Deutschlands zwar möglich, aber deren Ausgang ungewiss. Folglich musste ich mich schweren Herzens entscheiden, dieses wunderschöne und noch so junge Tier von seinen Qualen zu erlösen - ca. 6 Wochen, bevor wir alle unsere Pferde an unserem Pferdezentrum zusammengezogen haben. Ich denke jeden Tag an ihn und mache mir Vorwürfe, nicht selbst genauer auf dieses Pferd Acht gegeben zu haben. Ein Fehler, der kein zweites Mal passieren wird.

In unserem Pferdezentrum befolgend wir eine rigorose Entwurmungsstrategie: Jedes neue Pferd wird nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bei uns lege artis entwurmt. Anschließend beginnen wir die selektive Entwurmungsstrategie mit Kotproben und entsprechender Medikation, wenn nötig. Damit versuchen wir die Waage zu halten zwischen maximaler Reduktion des Infektionsdrucks sowie minimaler, jedoch gezielter Gabe von wirksamen Präparaten zur Vermeidung von Resistenzen. Denn gerade panikartiges Handeln, schadet hier mehr als es nützt. Zudem werden bei uns die Boxen täglich abgeäppelt bzw. regelmäßig vollständig gesäubert, die Winterweiden und Paddocks teils mehrfach täglich abgeäppelt und unsere Pferde dort auch nur aus Heuraufen aus Holz gefüttert. Erscheint uns ein Pferd etwas zu bauchig oder auffällig, führen wir auch mehrfache Kotproben durch, falls nötig. So soll der tragische Tod unsers San Heinrich Jährlings ein ewiges Mahnmal sein, mit Strongyliden, Spulwürmern und anderen "Zeitgenossen" nicht leichtfertig umzugehen: Es ist ja immer gut gegangen, mag im Kölner Karneval gelten, nicht jedoch bei uns im Pferdestall, auf den Paddocks oder den Weiden.

 

Bevor es dazu kommt, dass manche Pferde von den Heuraufen ausgeschlossen werden und auf den Boden zum Fressen verwiesen werden, trennen wir unsere Gruppen. Herdenromantik und Nachahmung der natürlichen Umgebung haben dort seine Grenzen, wo wir eine künstliche darwinistische Auslese provozieren würden: Denn wo in der Natur gibt es nur eine Heuraufe für 4 Absetzer?